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„Warum muss ich den weg? Flucht – Medien“

16. Abrahamsfest Marl                                                                25.11.2016
Pressebericht


Fotos: Grimme-Institut Marl


„Warum muss ich den weg? Flucht – Medien“. Eine wichtige und stark
besuchte Veranstaltung im Grimme-Institut im Rahmen vom 16. Abrahamsfest
Marl.

    

Es diskutierten v.links: Norbert Pfänder,   Flüchtlinge im Publikum diskutierten mit

Aycha Riffi, Begard Saleh, Aza Hotaki,

Nadia Hellmons


Zum dritten Mal in drei Jahren kooperierten das 16. Abrahamsfest und das
Grimme-Institut zum Themenkreisa „Flucht/Flüchtlinge/Ankommen
hierzulande“, am 23. Nov. 2016 sprachen und diskutierten mehr als 100
Zuhörer und kompetente Fachleute, Betroffene und Flüchtlingshelfer.

    

Dunia Arcoun nahm das ganze auf für

ein Filmdokument

Zu Beginn sangen der in Marl seit einem Jahr  lebende, in vielen hiesigen
Chören aktive iranische Flüchtling Modhjar Fershahadni mit seiner
deutschen Begleiterin Nina Streitberger seine Komposition zu Artikel II
der Menschenrechte in Farsi: „Alle Menschen sind gleich“. Bürgermeister
Werner Arndt begrüßte das umfassende Engagement in Marl, was auch in
dieser Veranstaltung sichtbar wurde. Der stellvertretende Chefredakteur
Joachim Schmidt vom Medienhaus Bauer (Marl) berichtete u.a. aus der
Praxis, wie sie als Medienhaus  umgehen mit „post-faktischen“ Behauptungen
und Haß-Leserbriefen. Die Medienwissenschaftlerin Dr. Horz von der
Ruhr-Universität Bochum skizzierte Grundlagen zum Thema „Flüchtlinge und
Medien“ und betonte dabei, dass „Migranten“ und „Geflüchtete“ in den
Medien hierzulande noch immer unterrepräsentiert sind. Aus Marler
Erfahrungen berichteten auf dem Podium Begard Saleh (aktiv in der
Integrationsarbeit, Marlerin mit kurdisch-syrischen-Wurzeln), Nadia
Hellmons (Flüchtlingshelferin in Marl, Deutsche mit agyptischen Wurzeln),
Azar Hotaki (Flüchtling aus Afghanistan, Flüchtlingshelfer im Diakonischen
Werk ) und Norbert Pfänder (Flüchtlingsrat Marl). Im Verlauf dieser
spannenden Veranstaltung ergriffen immer mehr Flüchtlinge im Publikum (sie
machten mehr als die Hälfte aus) in ihren Muttersprachen das Wort;
bemerkenswert viele Frauen äußerten sich. Deutlich wurde hierbei: die
Flüchtlinge wollen hier bleiben und ihren Beitrag leisten, aber
Wartezeiten zwischen Sprach- und Integrationskursen u.a. führen immer
wieder zum Frust. Es hapert an Praktikumsplätzen und Beschäftigung,
Arbeit,  und Sprachkurse für Deutsch müsste es viel mehr und leichter
zugänglich geben. Die Übergänge zwischen verschiedenen Kurs-Angeboten
seien unübersichtlich, unkoordiniert und bürokratisch. Ohne die
unermüdlichen Ehrenamtlichen, die immer weiter am Ball sind, gäbe es noch
mehr Probleme. Die hohe Motivation und Qualifikation wurde betont. Dem
Medienhaus Bauer wurde gedankt für faire Berichterstattung und dass Maziad
Aloush regelmäßig aus seinem hiesigen Alltag sehr authentisch berichten
kann. Zur Frage der Auflösung der Flüchtlingsunterkunft Röttgershof kam es
zu einem Disput zwischen Bürgermeister Arndt und Flüchtlingsratsmitglied
Norbert Pfänder. Beachtlich war die hohe Aufmerksamkeit der vielen
Anwesenden, die bis auf wenige Ausnahmen bis zum Ende blieben und
anschließend noch lange informell weiter diskutierten. Aycha Riffi vom
Grimme-Institut moderierte souverän und Beatrix Ries vom 16. Abrahamsfest
dankte für die Veranstaltung.

Gez. Hartmut Dreier