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Drei Religionen friedlich vereint


Von Jürgen Wolter

MARL. Das große Büfett, vorbereitet von den Frauen der Fatih-Moschee, war schnell geplündert: Das Abrahamsgastmahl zum Abschluss des 16. Marler Abrahamsfestes vereinte am Dienstagabend mehr als 300 Gäste im Rathaussaal, darunter zahlreiche Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr nach Marl gekommen sind.

Zwei von ihnen entzündeten zu Beginn die Kerze, die symbolisch für den Frieden und die Verständigung der Kultur- und Religionsgemeinschaften der Juden, Christen und Muslime während des Gastmahls brannte: Alexander aus Ghana, der an diesem Abend Geburtstag feierte, und Weidezghi aus Eritrea.

 

„Im guten Gefühl der Gemeinschaft feiern wir das Abrahamsgastmahl in Würde und Verantwortung.“ Mit diesen Worten begrüßte Muhammet Catmak aus der Gemeinde der Fatih-Moschee die Gäste des Abends. Er moderierte den Abend gemeinsam mit Katharina Nowitzka aus der jüdischen Gemeinde und Beatrix Ries als Vertreterin der Christen.

Symbolische Akte der Verständigung gab es noch mehrere an diesem Abend: So legten die Vertreter der Religionsgemeinschaften Gegenstände ihres Gauben auf den Kerzentisch: eine Bibel, ein Koran, ein Rosenkranz lagen hier nebeneinander.

Und noch ein symbolischer Gegenstand wechselte den Aufbewahrungsort: Die Statue von Papst Johannes XXIII, die der Christlich Islamischen Arbeitsgemeinschaft (CIAG) von der katholischen Pax-Christi-Bewegung verliehen worden war, übergab Ahmet Cinal, Vorsitzender der Fatih-Moschee, an Bürgermeister Werner Arndt. Sie wechselt wie ein „Wanderpokal“ zu den unterschiedlichen Institutionen und Organisation, die in der CIAG mitarbeiten.

Eigentlich war für den Abend eine Gesprächsrunde mit dem Marler Holocaust-Überlebenden und Schirmherrn des diesjährigen Abrahamsfestes Rolf Abrahamsohn vorgesehen. Er konnte aber leider aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Bürgermeister Werner Arndt würdigte deshalb die Wichtigkeit seiner zahllosen Vorträge vor Jugendlichen und Erwachsenen: „Rolf Abrahamsohn leistet Erinnerungsarbeit, und diese ist gerade heute wichtiger denn je“, so Werner Arndt.

    

Umfangreich wie immer war auch diesmal das kulturelle Programm: Das Intercent, die Vereine Raduga und Friedenswege, die jüdische Tanzgruppe Serpantin, der Chor der jüdischen Kultusgemeinde und die Ilahi-Sänger aus Bochum sorgten für eine bunte kulturelle Mischung. Mystisch eröffnet Semah-Tänzer Mehmet Demirkiran das Kulturprogramm mit dem rituellen Tanz der Aleviten.

    

Besondere Akzente setzten der Jugendchor „St. Bartholomäus“ unter der Leitung von Ralf Edelhoff und die beiden jungen Sängerinnen Huda Öncel und Rahna Lihedheb aus dem Verein Friedensweg.

Zu den diesjährigen Gästen zählten auch Vanessa Eisenhardt und Anja Sigesmund vom Verein „Heimatsucher“, die Interviews mit Zeitzeugen des Holocaust führen und in Schulen vorstellen. „Wir sind zum ersten Mal beim Abrahamsgastmahl dabei“, so Anja Sigesmund, „und finden es äußerst beeindruckend, wie selbstverständlich sich hier die Mitglieder der drei Religionsgemeinschaften begegnen.“

Mehr Fotos vom Abrahamsfest finden Sie unter www.marler-zeitung.de

Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung von Medienhaus Bauer/Marler Zeitung.

Fotos: Jürgen Wolter