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Westfälischer Ev.-Kirchlicher Dialogexperte Gerhard Duncker

Hartmut Dreier, Schumannstr. 6, 45772 Marl.                                   2.2.2017 (4.100 Zeichen)

Pressebericht: Westfälischer Ev.-Kirchlicher Dialogexperte Gerhard Duncker: „(Meine) Erfahrungen im Dialog Christentum – Islam“. Erlebtes und Gestaltetes

Der ev. Kirchenrat Pfr. Gerhard Duncker berichtete am 31.1.2017 im Gemeindehaus der Kulturen an der Pauluskirche in Marl über „Erfahrungen im Dialog Christentum und Islam“ in einer gut besuchten Veranstaltung. Es war seine „Abschiedsvorlesung“ für Marl, denn er geht in kürze in den Ruhestand. Zwei seiner Erfahrungen machten seinen Vortrag bemerkenswert.

 

Zuerst beschrieb er, wie sich ihm allmählich die weite Welt mit den anderen Religionen erschloss: Für ihn als als jungen Gemeindepfarrer in einer eher dörflichen Gemeinde in der Soester Börde in den 1980er Jahren gab es nichts weiter als Kontakte zur benachbarten katholischen Kirche. Als er 1993 zum Pfarrer der deutsch-sprachigen evangelischen Gemeinde in der Türkei gewählt wurde, änderte sich das. Die deutsch-sprachigen evangelischen Christen in den drei Großstädten Istanbul, Ankara und Izmir waren eine absolut winzige Minderheit, einige Hundert Menschen im ganzen Land. Dazu kamen die orthodoxen Kirchen, die es seit den Anfängen des Christentums im ganzen Orient in vielen Ausformungen und in Istanbul mit ihren ehrwürdigen Patriarchaten gibt und die wegen Abwanderung nach Europa und Nordamerika schrumpfen. Und die kleine Katholische Kirche sowie weitere evangelische Gemeinden in vielen Sprachen: türkisch, französisch, englisch/amerikanisch usw. Duncker wurden auch die Kontakte zu türkisch-muslimischen Gemeinden und Einrichtungen sehr wichtig, der Islam prägt immer schon die Türkei entscheidend. Duncker brachte sich – wie es sein Naturell ist - in sozial-karitativen praktischen Maßnahmen ein – zusammen mit religiös anders geprägten Menschen. Und er nahm wahr die offiziellen Dialoge zwischen Christentum und Islam, weltweit und auch in Deutschland. Duncker:„ Ich halte es mit dem Satz: Es ist nichts gutes außer man tut es!“ und: „Wir lebten von 1993 bis 2002 in der Türkei; wir lieben das Land und die Menschen, ich kann auch einigermaßen Türkisch und bin momentan mindestens viermal im Jahr dort.“

Dann berichtete Duncker, wie er nach seiner Rückkehr 2002 aus der Türkei als Verantwortlicher für den christlich-islamischen Dialog (und für vieles andere) in der Ev. Kirche von Westfalen seine eigenen Erfahrungen gestalterisch umgesetzt hat, immer praktisch und auf langfristige Wirkung zielend: Zusammenarbeit mit den evangelischen „Islambeauftragten“ vor Ort und in den Kirchenkreisen, die es schon seit circa 1984 gibt ( aktuell ist es Pfr. Roland Wanke, der auch diese Veranstaltung leitete. Die anwesende PfrIn Katharina Henke ist es in Herne). Duncker realisierte neu: Viele Studienreisen (z.B. mit Politikern aus Landtag und Landesregierung, ev. Verantwortliche in Schulen, Journalisten, mit Kirchenleuten usw.). Kooperationen zwischen den Fakultäten ev. Theologie in Münster und der Islamischen Fakultät in Ankara. Alltagstaugliche Informationen über immer wieder kehrende Fragen z.B. in Kirchengemeinden und in kirchlichen Kindergärten; jüngst zu Kopftüchern in ihrer muslimischen Vielfalt. Nicht immer einfache Gespräche mit den Muslimischen Dachverbänden in NRW. Er erklärte, warum er die Aktivitäten der CIAG = Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft Marl z.B. das Abrahamsfest in Marl alle Jahre gerne unterstützt. - In der Diskussion ging es um aktuelle Kritik an DITIB und Fragen des Religionsunterrichts an Schulen. Hartmut Dreier berichtete dabei, wie er nach dem fürchterlichen Erdbeben in der westlichen Türkei 1999 bei Dunckers in Istanbul immer sehr gute praktische Hinweise für den „Marler Aktionskreis Erdbebenhilfe Türkei“ und die Hilfsprogramme in Adapasari bekam; für ihn ein gutes Beispiel, wie durch praktische Tat auch eine ev.-deutsche Kleinstgemeinde für viele andere relevant wurde. Duncker entließ das Publikum mit dem Wort des großen Theologen Karl Barth; auf die Frage: „Herr Barth, sehen wir unsere Lieben im Himmel wieder?“ antwortete Barth:“ Ja, aber die anderen auch!“.