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Debatte um Constantin Schreiber: "Inside Islam"


5. April 2017

Die ARD-Reportagereihe »moscheereport« droht eine neue Grundsatzdiskussion über Islam in Deutschland loszutreten. Dabei braucht es das gar nicht.

Der Schaden, den solch eine Berichterstattung gerade für die offenen, an Dialog interessierten Moscheegemeinden anrichtet, ist immens. (…) Sollte es nicht in solch einer Situation Aufgabe eines verantwortungsbewussten öffentlich-rechtlichen Journalismus sein, die Stimmung nicht noch weiter aufzuheizen (…)? – Johanna Pink, Islamwissenschaftlerin

 

 

Dass er in einer Zeit, in der Moscheen fast wöchentlich das Ziel von Übergriffen sind, mit seinen dramatischen Übertreibungen alles nur noch schlimmer macht, scheint Schreiber nicht zu bekümmern. – Daniel Bax, Journalist

So emotional reagierten Islamwissenschaftler und Journalisten auf eine dreiteilige Reportagereihe in der ARD. »der moscheereport« nennt sich das kurzweilige Format: Ein 5-minütiger Beitrag, in dem ein Journalist die muslimische Freitagspredigt besucht, gefolgt von einer 10-minütigen Diskussion mit Wissenschaftlern, Pressesprecherin oder Vorstand der gezeigten Moscheen.

Um was es geht

Auf dem Buchcover von »Inside Islam« ist im Vordergrund der Journalist Constantin Schreiber zu sehen, im Hintergrund 2 Minarette. – Quelle: Ullstein Buchverlage copyright

Schon einmal den Begriff »Fürstenpredigt« gehört? Dazu gibt es auf Wikipedia einen langen und ausführlichen Artikel. Der Beitrag zur muslimischen »Freitagspredigt« dagegen: ausgehungert und wenig informativ. Wenn schon das größte Internetlexikon kaum Antworten hat, ist die journalistische Leitfrage »Was wird am Freitag in den Moscheen in Deutschland gepredigt?« eine gute Recherchefrage. Denn Einblicke zu liefern, zu informieren, nachzufragen und einzuordnen, dafür sind Journalisten schließlich da.

Constantin Schreiber, besagter Journalist, will mit seinen Interviewpartnern die Wertevorstellungen in der Freitagspredigt diskutieren. Fragt aber stattdessen auffallend naiv, ob es gerecht ist, dass Frauen und Männer getrennt in der Moschee sitzen, und ein anderes Mal, warum manche Imame immer so brüllen müssen. Den zweiten Beitrag der Reihe hat die ARD schnell wieder aus der Mediathek genommen, da ein Übersetzungsfehler an einer delikaten Stelle der Predigt die anschließende Diskussion stark verzerrte.

Die Fachwelt findet aber noch mehr Patzer in der Recherche des Journalisten, der für sein Buch mit dem knalligen Titel »Inside Islam – Was in Deutschlands Moscheen wirklich gepredigt wird« die Freitagspredigten aus 13 Moscheen übersetzte. Dort recherchierten er oder Kollegen ohne Voranmeldung. Die gehörten Inhalte stuft Schreiber als »beunruhigend« ein und kritisiert, dass die Imame meist aus dem Ausland kommen, andere Werte vertreten und nur gebrochen Deutsch sprechen.

Wir haben in den Moscheen immer mit Genehmigung gedreht. Das heißt, dass meistens eher Unverfängliches gepredigt wurde, wenn wir da waren. (…) Der Aufruf zur Abgrenzung zieht sich wie ein roter Faden durch die Texte. – Constantin Schreiber, im Interview mit dem Tagesspiegel

Mit solchen und ähnlichen Aussagen generalisiere Schreiber, schaffe Misstrauen und stelle Muslime unter Generalverdacht, so seine Kritiker. Andere, wie der Politikwissenschaftler Hamed Abdel Samad, springen dem Journalisten zur Seite:

perspective-daily

https://perspective-daily.de/article/227/cFAMIlGC