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Klaus von Stosch erklärt, was "Komparative Theologie" ist. Und: Warum das Abrahamsfest und die interreligiöse Zusammenarbeit in Marl sinnvoll und zeitgemäß ist.

Gert Hofmann (Ev. Kirchenkreis Recklinghausen).

 

Pressebericht                                                                                                 24.9.17

In seinem  sehr spannenden Vortrag über „Komparative Theologie“ als Impuls für den Dialog der Religionen“ hat Klaus von Stosch erklärt, warum das Abrahamsfest und die interreligiöse Zusammenarbeit in Marl sinnvoll und zeitgemäß ist.

 

Prof. Dr. Klaus von Stosch ist katholischer Theologe an der Universität Paderborn und hat das dortige Zentrum für Komparative Theologie gegründet, wo jüdische, christliche und muslimische TheologInnen aufzeigen:In der modernen weltanschaulich und religiös pluralistischen Zeit geht es darum, dass der Andere mit seiner/ihrer Wahrheit respektiert wird, dass dabei der eigene Wahrheitsanspruch nicht aufgegeben wird und dass in gastfreundschaftlich-nachbarschaftlichen Gesprächen alle Beteiligten mitmenschlich und reif werden. Also: Andere werden nicht herab gewürdigt. Aber es sind auch nicht „alle Katzen grau“. Klaus von Stosch berichtete in einer gut besuchten Veranstaltung am 19.9.2017 im Gemeindehaus der Kulturen an der ev. Pauluskirche was die sog. „komparative Theologie“ will und wie wichtig sie ist für den Dialog der Religionen in einer Welt von Umbrüchen und Aufbrüchen. Es war eine Kooperation mit der VHS „die insel“.

Klaus von Stosch´s Schlüsselsätze: Es geht um „Wertschätzung der religiösen Andersartigkeit“. Dabei werden Vorurteile korrigiert und auch die eigene Position wird durchdacht. Dabei wächst „Demut“: die Verbundenheit mit der je eigenen Überlieferung wächst und gleichzeitig die Bereitschaft und Kunst, Unterschiede wahrzunehmen. „Empathie mit der Wahrheit des Anderen“ ist schön, „wir lassen uns anrühren und berühren“ von der Wahrheit unserer Nachbarn und Partner, auch wenn sie nicht unsere Wahrheit ist. „Gastfreundschaft“ ist die Einladung und die Erfahrung: „Fühl dich bei uns wie zuhause“, ohne dass man seine Wahrheit dabei preisgibt. „Sich wechselseitig Raum geben“ vertieft Gastfreundschaft. Im Dialog der Religionen macht „die Instanz des Dritten“ damit ernst: es gibt auch viele Agnostiker bzw Atheisten und auch sie sind Dialogpartner, weil ihr Zweifel an Gott ernste Fragen aufwirft, um ernsthafte Dialoge zu vertiefen.

Klaus von Stosch beschrieb in der Diskussion, wie er schon als Jugendlicher in Marokko den Islam kennen lernte und seitdem als katholischer Christ am Dialog der Religionen dran sei. Er erwähnte auch seine Tochter, die in einem Schulaustausch bei einer baptistischen Familie in Canada deren Religiösität wertschätzen lernte und gleichzeitig selber ihre katholischen Wurzeln noch mehr begriff. Sein ganzer Vortrag war spannend anzuhören und war gewürzt mit erzählerische Beispiele aus dem Leben.